Gedichte zu Weihnachten von August von Platen 1796 - 1835

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Der Engel der Verkündigung:

Seraphimsche Heere,

Schwingt das Goldgefieder
Gott dem Herrn zur Ehre,
Schwebt vom Himmelsthrone
Durchs Gewölk hernieder,
Süße Wiegenlieder
Singt dem Menschensohne!

Ein Hirte:


Was seh’ ich? Umgaukelt mich Schwindel und Traum?

Ein leuchtender Saum
Durchwebt den azurnen, ewigen Raum,
Es schreiten die Sterne des Himmels entlang,
Mit leisem Gesang,
Der seligen Scharen musikalischer Gang.



Chor der Hirten:

Die Engel schweben singend

Und spielend durch die Lüfte,
Und spenden süße Düfte,
Die Lilienstäbe schwingend.

Chor der Seraphim:


Wohlauf, ihr Hirtenknaben,

Es gilt dem Herrn zu dienen,
Es ist ein Stern erschienen,
Ob aller Welt erhaben.

Chor der Hirten:


Wie aus des Himmels Toren

Sie tief herab sich neigen!

Chor der Seraphim:


Lasst Eigentriebe schweigen,

Die Liebe ward geboren!

Der Engel der Verkündigung:


Fromme Glut entfache

Jedes Herz gelind,
Eilt nach jenem Dache,
Betet an das Kind!

Jener heißerflehte

Hort der Menschen lebt,
Der euch im Gebete
Lange vorgeschwebt.

Traun! Die Macht des Bösen

Sinkt nun fort und fort,
Jener wird erlösen
Durch das Eine Wort.

Chor der Hirten:


Preis dem Geborenen

Bringen wir dar,
Preis der erkorenen
Gläubigen Schar.

Engel mit Lilien

Stehn im Azur,
Fromme Vigilien
Singt die Natur.

Der den kristallenen

Himmel vergaß,
Bringt zu Gefallenen
Ewiges Maß!

Der Engel der Verkündigung:


Schon les’ ich in den Weiten

Des künft’gen Tages bang,
Ich höre Völker schreiten,
Sie atmen Untergang.

Es naht der müden Erde

Ein frischer Morgen sich,
Auf dieses Kindes "Werde"
Erblüht sie jugendlich.

Chor der Seraphim:


Vergesst der Schmerzen jeden,

Vergesst den tiefen Fall,
Und lebt mit uns im Eden,
Und lebt mit uns im All!

August von Platen 1796 - 1835

 
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